Land & Leute

Abraham Cresques, Katalanischer Atlas, ca. 1375

Die Erde ist eine Kugel!

Zu den zahlreichen Irrtümern und Legenden, die selbst unter scheinbar engagierten Mittelalter-Darstellern verbereitet sind gehört der Glaube, dass der mittelalterliche Mensch sich die Erde als Scheibe vorstellt.

Diese Annahme ist schlichtweg falsch!

"Die Kugelform der Erde, die in der Antike seit Aristoteles als bewiesen galt und die nur in der Kirchenväterzeit einige Gegner gehabt hatte, zählte bereits seit der karolingischen Renaissance des 8. Jahrhunderts zum Wissensgut der Gelehrten. Spätestens ab dem 12. Jahrhundert begannen die astronomischzen Handbücher (...) und der Unterricht an den Universitäten für die Verbreitung des antiken, ptolemäischen Weltbilds zuerst bei den meisten Klerikern, dann bei allen Universitätsabgängern überhaupt zu sorgen.
Schon im 13. Jahrhundert schließlich hatte die Kugelform - und damit die theoretische Umrundbarkeit! - der Erde Eingang nicht nur in die wissenschaftliche, sondern auch die populäre Literatur gefunden, noch dazu in eines der verbreitetsten Reisebücher überhaupt, nämlich in den Travels des John of Mandeville, der allerdings weder eines der geschilderten Länder gesehen hatte, noch dabei gar etwa, wie er behauptete, die Welt umrundet hatte." (aus: Simek, Rudolf: 'Erde und Kosmos im Mittelalter', Augsburg 2000, S. 38)

Auch über die Kugelform der Erde hinaus, hatte der (halbwegs gebildete) Mensch eine Vorstellung von den räumlichen Verhältnissen 'seiner' Welt. Bei dem oben dargestellten Kartenbild handelt es sich um eine Darstellung des westlichen Kartenteils des katalanischen Atlas von Abraham Cresques. Dieser gehört zu den sog. 'Portolanen' oder 'Portolankarten' und ist um 1375 entstanden. Erstaunlich ist die Genauigkeit mit der die Küstenlinie Europas und Nordafrikas dargestellt ist (es handelt sich hierbei um Schifffahrtskarten).
Ein ähnliches Kartenbild enthalten auch die 'Pisaner Karte' und der 'Compasso de navigare' aus dem letzten Viertel des 13. Jahrhunderts...

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