Die Jagd

 

Der Waidmann auf der Hetzjagd nach dem Hirsch

Nach Ablauf der langen Probezeit wird der Gehilfe Jäger. Seine Kleidung besteht künftig aus dicken Ledergamaschen, die seine Beine gegen Dornen und Gesträuch schützen; aus einer grünen Jacke im Sommer bei der Hirschjagd und der grauen Pelzweste im Winter bei der Wildschweinjagd. Um den Hals trägt er das Horn, mit dem er die Hunde zurückruft, und am Säbelkoppel hängt ausser dem Jagdmesser noch das lange Schwert, mit dem er das Wild erlegt. Er nimmt drei Pferde auf die Pirsch mit, von denen zwei als Austauschpferde dienen. In der Hand hält er die Ledergerte, die er gegen seine Reitstiefel schlägt, wenn es gilt, die Hunde anzutreiben. Nun ist er Meister über die Gehilfen und Knechte, dirigiert die anfangs eingesetzte Meute und diejenige, die sie ablöst. Er kennt jeden seiner Spürhunde einzeln, deshalb bestimmt er auch den Rang, den sie je nach ihren Fähigkeiten innerhalb der Meute einnehmen.

Während des Ritts muss er die Hunde, die sich verirrt haben, wieder auf die richtige Fährte führen. Hat er den Hirsch gesichtet, ist er darauf bedacht, ihn nicht zu verscheuchen. Er behält die Hunde von weitem im Auge, und wenn sich erste Ermüdungserscheinungen zeigen, nähert er sich ihnen mit aufmunternden Worten oder mit Brotstücken, die er in einem Beutel am Sattelhorn mit sich führt. Er zögert auch nicht, vom Pferd zu steigen und selbst die Spuren zu untersuchen, wenn der Hirsch die Hunde im Staub des Weges zerstreut hat. Ähnlich kann dies auf einer Wiese geschehen, welche die Hirten abgebrannt haben, um das Gras nachwachsen zu lassen oder in einem Wasserlauf. Am Ende, wenn das Halali ertönt, ist es seine Aufgabe, dem völlig erschöpften und verschreckten Tier den Gnadenstoss zu versetzen.

 Wie der Hirsch enthäutet und in Stücke zerteilt wird

Der Jägermeister hat zum Tode des Hirsches geblasen, und alle Teilnehmer der Reiterei haben ihre langanhaltende Antwort zurückgegeben. Bevor sie ausgehungert und todmüde ins Herrenhaus zurückkehren bilden sie einen Kreis um die Jagdbeute, bereden die Ereignisse des Morgens und spenden ihr Lob der Waidmannskunst aller Gehilfen und Knechte, die auf ein Zeichen ihres Herrn warten, um die Arbeit des Fellabziehens und Zerstückelns zu beginnen.

Während einige von ihnen einen dicken Ast abschneiden und schälen, auf den später die Fleischbrocken aufgespießt werden, legen andere die Beute auf eine Schicht Blätter, drehen das tier mit dem Bauch nach oben und beginnen mit ihren scharfen Messern das Enthäuten, nachdem sie die dafür notwendigen Schnitte vorgenommen haben. Sie entblössen Schultern und Keulen des Wildbrets, dann Brust und Bauch, und schliesslich den Rücken, wobei sie immer darauf achten, dass der Körper nur auf seiner Haut zu liegen kommt.

Das Zerteilen in einzelne Fleischstücke folgt einem unveränderlichen Ritus: man nimmt die Hoden ab, löst die Zunge heraus und trennt die Schultern ab. Dann öffnet man den Bauch, um Leber und Nieren herauszunehmen und ihn von Eingeweiden und Därmen zu säubern. Daraufhin zerlegt man die Keulen, und schliesslich wird der Kopf abgetrennt. In der Reihenfolge, wie sie vorbereitet werden, finden sich die edelsten Stücke auf dem Ast aufgespiesst wieder. Von starken Schultern fortgetragen, wandern sie in die Küche des Jagdherrn.

 

Wie die Hunde ihren verdienten Anteil erhalten

 Wie man einen Hirsch verfolgt

Die Verfolgung des Wildes geschieht nach den allgemeinen Regeln der Waidmannskunst. Den anderen eine Armbrustlänge voraus geht der bezeichnete Knecht mit seinem Spürhund, den er kurz an der Leine hält. Ein gut abgerichteter Hund muss die Stelle wiederfinden, wo der Knecht am Morgen die Fährte mit abgebrochenen Zweigen markiert hat. Mit der Schnauze am boden beschnüffelt er alle am Erdboden haftenden Gerüche, verweilt bei den Fussspuren der Fährte und den Resten der im Morgengrauen gefundenen Losung. Bald ist auch der Knecht sicher, dass er sich auf der Fährte des von ihm beobachteten Zehnenders befindet. Er zieht das Halsband fester, beschleunigt das Tempo der Verfolgung, indem er seinen Hund durch reichlich Lob anfeuert, bis er schliesslich das Hornsignal für das Loskoppeln der Meute gibt, deren Geduld nicht mehr zu zähmen ist.

Bis in den Abend hinein ertönen im Hochwald, auf den Lichtungen und im Dickicht unaufhörlich die Rufe und Hornsignale an die Hunde, die sich verirrt haben, die leichtsinnig Umherschweifenden und die Ältesten, die ausgelaugt am Schluss der Meute trotten.

 

 Wie der erfahrene Jäger das Rentier jagt

Das Rentier ist so überaus kräftig, dass weder der Spürhund sich ihm nähern darf, noch die Meute es zu einer Verfolgungsjagd zwingen kann. Die einzige Möglichkeit, es zu überwinden, bleibt, es mit der Armbrust zu erlegen oder ihm die Meute auf die Fersen zu hetzen, so dass es zwangsweise in eines der aufgespannten Netze getrieben wird, wo sein mächtiges Geweih es gefangen hält.

 

 Die Jagd auf den Damhirsch

Wenn der Jäger einen Damhirsch erlegen will, sucht er sich eine Meute mit gut dressierten Hunden aus und führt sie in die Gegend, wo die Knechte das Tier bei Tagesanbruch gesichtet haben. Wenn die Hunde durch die Vielzahl der Spuren verwirrt sind, steigt er vom Pfer, um ihnen beim Auffinden der richtigen zu helfen. Sobald das Tier entdeckt ist, steigt er wieder auf und leitet die Jagd, die genauso wie beim Hirsch abläuft.

 

 Vorbereitungen zur Jagd auf die Wildziegen

Die ganze Woche vor dem Tag der Jagd durchstreifen die Gehilfen und Knechte das Gebirge, um die Pfade von Gemsen und Steinböcken zwischen den Felsen und entlang den Wildbächen aufzufinden. Enige dieser Pfade versperren sie mit Hindernissen wie grünen Hecken, Flechtwerk und Steinmauern, in der Hoffnung, dass die verfolgten Tiere nur die Wege einschlagen, wo die Jäger ihnen auflauern.

Einen Tag vor der angesetzten Jagd begeben sich die Jäger und die Gäste ins Gebirge und verbringen dort die Nacht in den Hütten, wo die Hirten das Vieh halten. Vor Sonnenaufgang beziehen sie ihre Posten in den Felsen über den Pfaden, die dem Wildwechsel freigelassen wurden. Hier haben sie Gelegenheit, das von verschiedenen Meuten verfolgte Wild mit Pfeilen oder Armbrustbolzen zu erlegen.

 

Zur Pirsch auf die Rehe

Im Morgengrauen schleichen mehrere Knechte auf den Weideplatz der Rehe, um sie zu beobachten und sich die geweihtragenden Tiere zu merken. Die Spürhunde sind nicht dabei, denn sie könnten das stets wachsame Rudel aufscheuchen. Sobald sie das stattlichste Reh ausgemacht haben, verfolgen sie es mit den Augen, aber ohne sich von der Stelle zu rühren. Den Pfad, den dieses Tier in den Wald zurück nimmt, markieren sie mit abgebrochenen Zweigen. Dann finden sie sich wieder am Sammelplatz der Jäger ein, erstatten ihrem Meister Bericht und überwachen die Hunde bei der morgendlichen Fütterung.

Die Verfolgung setzt da an, wo sie die Fährte markiert haben. Vertraut mit der Tücke des Rehs binden sie die geübtesten Spürhunde los, die allein die Spur verfolgen, solange das Reh im Wald bleibt. Kaum hat es den Schutz der Bäume verlassen, beginnt die wilde Hatz mit den Windhunden quer über Feld und Heide, durch Bäche und sogar Dörfer, bis schliesslich zum Tod geblasen wird und das Signal für den Jagdanteil der Hunde ertönt.

 

 Hasenjagd

Hasen werden das ganze Jahr über und bei jedem Wetter gejagt. Zwischen Juni und Oktober geht die Verfolgungsjagd durch die Wiesen, durch das Gestrüpp der Brachfelder, rund um die Kornäcker und entlang der Hecken. Nach stundenlanger Hatz trotten die erschöpften Hunde mittags mit lechzender und trockener Zunge zu einem Wasserlauf, wo sie sich abkühlen und ausruhen können. Erst am Abend geht die Hatz weiter, wenn die Kräfte wiedergewonnen sund und der erfrischende Tau sich niederlegt. Dennoch erfordert es die ganze Kunst des Jägers und die untrügliche Witterung eines guten Spürhundes, um sich im Kreuz und Quer der Fährten zurechtzufinden.

Im Oktober und November kann die Verfolgung den ganzen Tag über fortgesetzt werden. Sie wird jedoch  erleichtert durch die kühle Luft und besonders durch den nun dichten Tau, der dem Gespür der Hunde den verlässlichen Geruch der Hasenspur erhält. Unter diesen Voraussetzungen ist es hinfällig, Treiber einzusetzen; man braucht nur der Fährte zu folgen. Sehr oft springt der in seinem Lager aufgeschreckte Hase der Meute vor die Füsse. Von den Zähnen zerfetzt landet er zuckend in den Händen eines Knechtes und verschwindet mit aufgeschlitztem Bauch in der Jagdtasche.

 

 Wie man Kaninchen einfängt

Das Kaninchen bleibt seinem Gehege treu und hüpft zwischen Ginster, Gestrüpp und Brombeersträuchern herum, wo es bestimmte Kräuter als Nahrung sucht. Alarmiert durch einen nahenden Spaniel oder Windhund flieht es im Zickzack und verschwindet mit einem Satz in das Erdloch, welches nun belagert wird. Davor baut man reusenförmige Netze auf, und auf ein Zeichen lässt man das ausgehungerte Frettchen frei, dem man vorsichtshalber einen Maulkorb umgebunden hat, damit es drinnen die Kaninchen nicht tötet und verschlingt und erst nach Tagen wieder zum Vorschein kommt. Wenn man kein Frettchen besitzt, nimmt man ein Stück Stoff, reibt es mit Schwefel und Weihrauch ein, zündet es an und führt es in das Erdloch ein. Arg belästigt vom Geruch des Frettchens oder vom sengenden Qualm stürzen die Kaninchen schon bald heraus in die Netze, wo sie von mörderischer Hand empfangen werden.

 

 Gefahren der Bärenjagd

Mit einem guten Spürhund an der Leine muss man Felder, Weinberge, Eichen- und Buchenwälder aufsuchen, um auf die Fährte des Bären zu treffen. Sein strenger Geruch, sein spezifischer Gang und sein Kot hinterlassen der Witterung des Hundes unzählige Spuren, und der Knecht braucht nur den breiten Fussabdrücken der Hintertatzen zu folgen. Den Bären zu jagen ist allerdings gefährlich. Nur Hofhunde und Doggen werden auf ihn losgelassen, denn sie scheuen seine Tatzenhiebe nicht und nehmen das Risiko auf sich, mit blutendem Maul und aufgerissenem Bauch zu Boden geschleudert zu werden. Die Männer verfolgen diesen Kampf zu Pferde und, ausgerüstet mit Pfeil und Bogen, Armbrust und Spiess, bemühen sie sich, dem Gemetzel baldmöglichst mit ein paar wohlgezielten Schüssen oder Degenstreichen ein Ende zu bereiten.

 

 Wie man das Wildschwein jagt

Wie man das Signal gibt um die Hunde loszukoppeln zur Jagd auf das Wildschwein

Wie man das Wildschwein erlegt

Wenn sich das von der Verfolgung erschöpfte Wildschwein stellt und sich den Hunden widersetzt, lässt der Jäger sein Pferd im Trab laufen, stellt sich in die Steigbügel und versucht, das Tier mit dem Spiess zu treffen, den er in der Mitte des Schafts hält und wie einen Wurfspiess schleudert. Gelingt der Hieb, stösst der alte Eber ein Grunzen aus, das den Angriff durch die Meute auslöst. In dem Moment muss der Jäger absitzen, sein langes Schwert blankziehen und sich dem sterbenden Tier vorsichtig von hinten nähern. Er versetzt ihm den Gnadenstoss, wobei er aufpasst, keinen der Hunde zu verletzen, die sich wie wild auf das Tier stürzen.
Gelingt es dem Jäger, ein Wildschwein in seiner Suhle zu entdecken, kann man die Verfolgungsjagd vermeiden, indem man das Schlammloch mit starken Netzen umgibt. Daraufhin lässt man einige Hofhunde los, die das Tier in die Neztfalle treiben.

Wie man das Wildschwein zerlegen muss

 Die Kunst den Wolf zu überlisten

Wenn Wölfe die Gegend verunsichern und sich den Schafställen nähern, ruft der Landesherr Jäger und Dorfbewohner zusammen, mit deren Hilfe er das Land von diesem Übel befreit. Hierzu lässt er folgende Vorkehrungen treffen:
Unweit des Waldes, in dem die Wölfe Zuflucht gesucht haben, legt man mitten in ein tiefes Dickicht das Fleisch eines alten Pferdes oder Rindes. Man entnimmt deren Keulen und Schulterstücke und bringt sie an einen entfernten Ort tief im Wald. Dort bindet man sie am Schwanz der Pferde fest und kehrt auf verschiedenen Pfaden zu dem besagten Dickicht zurück, indem man die Fleischstücke auf der Erde hinter sich herschleift. Die so vom Aasgeruch geköderten Wölfe werden unweigerlich der Geruchsspur bis zum Dickicht folgen. Um die Wirkung des Köders noch zu verstärken, kann man dort noch an irgendeinem nahestehenden Baum ein lebendes Schaf oder eine Ziege festbinden und Fleischstücke an die Äste hängen. Die Späher in den Baumkronen kündigen den bewaffneten Jägern und Dorfleuten die Anwesenheit der Raubtiere an, und kurz darauf ist das Dickicht umzingelt. Außerdem zündet man zahlreiche Feuer an und erhebt einen grossen Lärm. Auf diese Weise wird den Wölfen jeder Weg zum Rückzug abgeschnitten. Auf ein Hornsignal hin lässt man ein paar große Hunde los, die die Wölfe aus dem Dickicht treiben und den Todesstreichen der Jäger ausliefern.

 

Wie der Fuchs ins Netz geht

Verborgen von Heidekraut und Dorngestrüpp liegt der Fuchsbau immer in der näheren Umgebung von Hühnerställen, Kaninchenbau oder Schafställen. Er hat mehrere Eingänge, die in verschiedenen Tunnels zur inneren Höhle führen, wo die Füchsin die Jungen säugt.
In der Nacht vor dem zur Jagd festgesetzten Tag begeben sich die Knechte und Dorfleute, die mehrere Tage auf Beobachtungsposten waren, zu den Erdhöhlen. Beim Licht des Mondes verstopfen sie alle Ausgänge mit dicken Klumpen Tonerde, vermischt mit Heidekraut und Zweigen, auf denen sie kreuzförmig einige abgeschälte Stecken befestigen. So soll Meister Reinecke davon abgebracht werden, zu seiner Familia zurückzukehren. Im Morgengrauen machen sich der Jagdherr und seine Leute auf die Suche nach dem nächtlichen Herumstreuner. Die Verfolgungsjagd durch Dick und Dünn dauert Stunden, bis es endlich soweit ist und man der Meute das Fleisch des stark riechenden Räubers vorwirft, das man vorsichtshalber gekocht hat.
Bei Regenwetter kann es vorkommen, dass der Fuch in seinem Bau bleibt. Jäger und Bauern überrumpeln ihn dann dort, indem sie vor die Eingänge reusenförmige Netze legen. Danach wird ein schwefeliger Holzscheit angezündet und in einen der Gänge gehalten. Der salpeterhaltige Qualm treibt die Fuchsfamilia schnell heraus in die vorgehaltenen Fallen.

 

 Wie der Dachs zur Jagdbeute wird

Obwohl ein nächtlicher Wanderer, entfernt sich der häusliche Dachs doch kaum von seinem Bau. Die Dachsjagd ist deshalb ähnlich wie die Fuchsjagd

 

Wie die Wildkatze gejagt und erlegt wird

 Wie der Fischotter gefangen wird

Nur in der Nacht kommt der Fischotter aus dem Wasser, um sich an Land etwas auszulaufen, zu grasen und seinen Kot am Flussufer oder Weiher abzuwerfen. Im Morgengrauen kommt der Jäger mit seinem Spürhund dorthin und sucht die Spuren. Währenddessen spannen Knechte die mit Blei beschwerten Netze vom einen Ufer des Flusses zum anderen, jeweils oberhalb und unterhalb der Grenze zum Revier des Fischotters. Dieser wird sich bei Gefahr sofort unter einer dicken Wurzel im Flussbett verkriechen. Die von Schreien und Anhfeuerungen aufgeregten Hunde entdecken ihn jedoch schließlich, und es beginnt die Verfolgungsjagd zu Land und zu Wasser. Die Jäger, die sich zui beiden Seiten des Ufers aufgestellt haben, werden versuchen, den Otter mit ihrem spitzen Dreizack zu erlegen. Auch wenn sie ungeschickt sind, geht ihnen das Tier am Ende ins Netz, wo andere darauf warte, es zu töten. Man zieht den erlegten Otter ans Ufer, enthäutet ihn und kocht sein Fleisch als Belohnung für die Hunde.

 

 

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