Das Neue Haus

Willkommen bei einem Projekt in Arbeit!

Auf diesen Seiten wird unser neuestes Projekt vorgestellt.

Nachdem wir einige Jahre regelmäßig im Rheinland-Pfälzischen Freilichtmusem Bad Sobernheim tätig waren, begann im Museum der Aufbau eines der ältesten datierten Fachwerkhäuser aus Rheinland-Pfalz.
Da die dendrochronologische Datierung des Hauses einen Erbauung um 1328 ergab, entstand die Idee diese Haus zeitgemäß einzurichten und zeitweilig zu beleben.

Die Seiten geben den derzeitigen Stand des Projektes und unsere Überlegungen dazu wieder!

Projekt Haus Zell-Merl
(1328)

Das Haus, einst in Zell-Merl in der Sponheimergasse beheimatet, ist die älteste ins Freilichtmuseum translozierte Anlage. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben für die Erbauung eine Datierung um 1328. Im 14., im 16.und im 18.Jahrhundert fanden Renovierungen und Umbauten statt. Diese vielen Änderungen führten dazu, dass man dem Haus sein hohes Alter zunächst nicht ansah, zumal der Bau bis auf eine Ecke an der Front zur linken Traufseite überputzt war. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass Riegel und Strebe mit dem Eckständer verblattet waren - durchaus ein Indiz für mittelalterliche Zimmerung. Außerdem zeugte der aus der rechten Traufseite ragende wuchtige, allerdings schon baufällige Kamin für ein beträchtliches Alter. Das nicht ganz rechtwinklig angelegte Haus mit den Maßen von ca. 7 x 9 (10,50) m ist unterkellert, verfügt im Parterre über die übliche, unmittelbar von der Straße betretbare Flurküche - Feuerstelle an der rechten Seite, eine relativ geringe Raumhöhe von ca. 3 m, einen Brunnen (allerdings nicht hier, sondern im Keller) -; es gab eine zusätzliche Stube auf dieser Wohnebene (vermutlich später abgeteilt) und weist im Obergeschoß eine Untergliederung in drei Räume auf, von denen einer beheizbar war.
(Informationen nach der Webseite des Freilichtmuseums)


1.Projektbeschreibung

Ziel des Projektes ist es im Haus Zell-Merl eine dauerhafte Ausstellung zum Thema „Lebenswirklichkeit und Alltagsleben im 14. Jahrhundert“ zu schaffen. Dabei soll die Ausstellung keine „herkömmliche“ Ausstellung („Vitrinenausstellung“). Die Einrichtung des Hauses soll dazu geeignet sein, regelmäßig im Rahmen von „Living-history“ bewohnt und benutzt zu werden. Dazu erscheint es sinnvoll, dem Haus auch einen „fiktiven“ historischen Hintergrund zu geben, auf dessen Grundlage sowohl die Einrichtung als auch die Belebung stattfinden kann.
Über die historischen Hintergründe des Hauses zum Erbauungszeitpunkt ist nichts bekannt. Die Größe des Gebäudes, seine ursprüngliche Lage und die qualitätsvolle Ausführung deuten jedoch auf einen wohlhabenderen Erbauer hin.

 

2.Haus

2.1.Wände (Verputz/Bemalung)

Die Bruchsteinwände sollten innen verputzt sein. Eventuell ist eine Bemalung (Quader?/Fries) möglich. Inwieweit Wände im Erdgeschoß mit Wandbehängen (Wolle, einfach) dekoriert bzw. isoliert werden sollte überlegt werden.

2.2.Bodenbelag Küche

Als Bodenbeläge in der Küche kommen Natursteinplatten oder Keramikfliesen in Frage
Bei Natursteinplatten stehen vermutlich Sandstein oder Schiefer zur Verfügung. Aus den regionalen Zusammenhang des Hauses erscheint Schiefer als das wahrscheinlichere Material, dabei sollte aber berücksichtigt werden, dass Schiefer bei Nässe glatt werden kann. Schiefer ist als Bodenbelag bereits in den Häusern Enkirch und Bruttig realisiert. Die Fugenbreite sollte allerdings möglichst gering gehalten werden.

2.3.Fenster (Glas/Gitter/Läden)

Fensterglas war zum Erbauungszeitpunkt des Gebäudes noch sehr teuer. Hier erscheint es wahrscheinlich, dass Fensterglas nur in repräsentativen Räumlichkeiten zum Einsatz kam. Es liegt nahe, die Fenster im Erdgeschoß nur mit Holzgittern zu versehen. Die Räume im Obergeschoß können je nach Nutzung auch Verglasungen erhalten.

2.4.Türen

Wie sahen die zeitgenössischen Türen aus? Besonderer Wert sollte hier auch auf die Beschläge und Schlösser gelegt werden.


2.5.Nutzung der Räume

Die Raumnutzung ergibt sich aus der Anordnung der Räume. Das Erdgeschoß stellt die Küche als Wohn- und Lebensraum dar. Hier fand der Grossteil des täglichen Lebens statt. Im Obergeschoß liegen die Schlafräume. Hier befindet sich die „Kemenate“, also der Wohnraum des Hausherrn. Die verbleibenden beiden Räume könnten eine weitere Schlafkammer (Mägdekammer, Altenteil) und ein Kontor (Büro) sein. Schlafmöglichkeiten für das Gesinde befinden sich ansonsten in der Küche und auf dem Speicher, bzw. im Nebengebäude (Kelterhaus).

2.6.Brunnen

Der Brunnen im Haus stellt einen Luxus dar und hebt die Bedeutung des Hauses hervor. Da der Brunnen tatsächlich nutzbar ist, wäre es schön ihn in der Darstellung auch zu verwenden (wenigstens für Wasch- und Spülwasser). Dazu ist es aber nötig in der Zeit, in der das Haus nicht belebt wird Besucher daran zu hindern Unrat in den Brunnen zu werfen (Plexiglasabdeckung?).

2.7. Kamin/Herd

Im Rauchabzug des Herdes muss als Befestigung für Kesselhaken eine massive Querstange eingebaut werden, damit auch mehrere Kesselhaken verwendet werden können.

 

3. Einrichtung


3.1.Möbel

3.1.1 Küche

Große Standseitentruhe (ca. 180-200 cm) (Rückwand)
Frontstollentruhe
2 Tische (ca. 200 x 100 cm, Massive Tischplatte, versiegelt, Böcke)
Arbeitstisch, hoch (ca. 50 x 120 cm) (neben der Tür)
Arbeitstisch (ca. 150 x 100 cm, Böcke) (neben dem Herd)
Hackstock (hinter dem Kellereingang)
4 Sitzbänke (ca. 200 cm) (zur großen Tafel)
3 Sitzbänke (ca. 100 cm) (als Hocker)
"Großer Stuhl" (repräsentativer Sitzplatz)
Wandbehang (Wand zwischen Treppe und Tür)
Wandborde
Wasserfass
Großer Mörser
Beleuchtung: Schmalz-/Talglichter, Kienspäne, Pergamentlaternen, Kerzenleuchter

3.1.2 Kemenate

Lattenbett (ca. 140 cm breit)
dekorierte Frontstollentruhe (evt. farbig)
evt. kleine eisenbeschlagene Kastentruhe
Kerzenhalter
Schragenbank (ca. 100-120 cm)
Kohlebecken (muß nicht verwendet werden...)
Wandbehang

3.1.3 Mägdekammer

2 Spannbetten (80-100 cm)
einfache Kastentruhe
Kienspanhalter

3.1.4 weiterer Raum

je nach Nutzung

3.1.5 Hof

Hackklotz
Sägebock


4.Museumstechnische Überlegungen

4.1.Beleuchtung

Sinnvoll erscheint eine dezente aber möglichst moderne Beleuchtung. Hier würden sich wahrscheinlich versenkte Halogenspots eignen.

4.2.Sicherheit

In jedem Stockwerk des Hauses sollte ein Feuerlöscher installiert sein.

4.3.Präsentation

4.3.1.„Begehbarkeit“

Welche Räume sind begehbar? (Außerhalb der belebten Zeit) Diese Frage ist wichtig für die Ausstellung im Haus. Es könnte sinnvoll sein, die Küche nur zum Teil begehbar zu machen. So könnten zahlreiche Ausstellungsgegenstände auch in der nicht belebten Zeit im Haus verbleiben. Auch das „Brunnenproblem“ wäre damit weitgehend gelöst.
Im Obergeschoß können Räume auch ganz gesperrt werden, so dass Besucher nur hineinsehen können.

4.3.2.Schautafeln

Die Schautafeln sollten betont modern gehalten werden. Historisierendes Design ist unerwünscht!
Folgende Themenkreise sollten auf Info-Tafeln behandelt werden:

Baugeschichte/mittelalterliches Haus

Küche
· Allgemein/Küche als zentraler Lebensraum
· Herd und Kochgeräte
· Aufbewahrung und Vorratshaltung
· Die Tafel/Essen und Tischsitten
· Beleuchtungsmittel
· Möbel und Möblierung

Obergeschoß
2 Möglichkeiten: entweder nach Sachgruppen oder nach Funktion

Sachgruppen
· Betten und Schlafen
· Truhen und Schränke
· Fenster und Läden
· Licht und Wärme

Funktion
· Die Kemenate (Schlafzimmer des Hausherrn)
· Das Kontor
· Die Mägdekammer

 

4.3.3.Pädagogisches Konzept
4.4.4.Broschüre

Mittelfristig könnte es interessant sein, über das Haus eine eigene, detaillierte Broschüre für interessierte Besucher zu erstellen.

 

5.Grundsätzliche Überlegungen


5.1.Rekonstruktion/Replik/Original

5.2.„fiktiver Hintergrund“

5.3. Umgang mit nicht belegbaren Notwendigkeiten

Es gibt Gegenstände, von deren Vorhandensein zwar (nahezu zwingend) ausgegangen werden kann, bei denen aber zurzeit jeder Beleg fehlt. Wie soll mit solchen Gegenständen umgegangen werden?
Als Beispiel sei hier die Garderobe genannt. Sicherlich gab es in einem mittelalterlichen Haus Kleiderhaken. Nasse Kleidungstücke (Mäntel etc.) mussten ja zum Trocknen aufgehängt werden, bevor sie wieder in Truhen verstaut wurden. Auch müssen Gäste ihre Übergewänder abgelegt haben. Zurzeit fehlt uns aber jeder Beleg für zeitgenössische Kleiderhaken.
Im Rahmen des Projektes können solche „Fehlstücke“ entweder durch betont moderne Pendants (möglichst moderne Edelstahl-Kleiderhaken) oder durch sog. Look-alike-Konstruktionen ersetzt werden. Dabei stellt sich die Frage, ob solche Look-alike-Konstruktionen auffällig markiert werden sollten.

 

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